Pistoia – die Stadt der Leiden und der unmöglichen Namen

Via Abbia Pazienza„Die Stadt der Leiden“ ist eine Definition über „Pistoia“ vom italienischen Dichter D’Annunzio aus seinem Gedichte-Zyklus „Die Städte der Stille“. Allerdings geht der  Zusammenhang zwischen Pistoia und den „Leiden“ schon auf Dante Alighieri zurück  und auf den Canto (= Gesang), den er dem berühmtesten der Bürger Pistoias im Inferno (= Hölle) gewidmet hat: Vanni Fucci, der aus dem toskanischen Städchen eine „seiner würdigen Behausung machte“.

Pistoia, eine der schönsten Städte der Toskana, soll eine  Stadt der trüben Gefühle und der Zwietracht sein? Der amerikanische Historiker William J. Connell schreibt in „Die Stadt der Leiden“, dass im Mittelalter sowie in den späteren Jahrhunderten die Menschen aus Pistoia dem Ruf gerecht wurden, dass die Stadt von den Nachkommen Catilinas gegründet worden sei, ein römischer Politiker, der von Natur aus böse und korrupt war, und dessen Truppen 62 v. Chr. In der Nähe von Pistoia eine Schlacht verloren.

Die Idee, in Pistoia eine Stadt von aufrührerischen Köpfen zu sehen geht zurück auf das Mittelalter. Fast 3 Jahrhunderte dauerten damals die blutigen Fehden zwischen den zwei Familien Panciatichi und Cancellieri an, die schließlich in einem tragischen Bürgerkrieges von 1499-1502 endeten, durch den die Stadt fast vernichtet wurde. Und wo waren die Schauplätze dieser Kämpfe die diese wunderschöne Stadt mit Blut befleckten? Mit Sicherheit ist der Palazzo Panciatichi in der zentralen Via Cavour ein Symbol für diese Auseinandersetzungen und genauso die Viertel im Osten der Stadt, zwischen den Kirchen San Pier Maggiore, San Bartolomeo und dem Palazzo dei Cancellieri und der Kirche San Paolo. San Paolo ist nicht nur eines der besten Beispiele sakraler Architektur aus dem mittelalterlichen Pistoia, sondern wurde während der Kämpfe im Sommer 1500 von der Familie Panciatichi zu einer Festung ausgebaut und wurde zum Schauplatz einer traurigen Erinnerung in der Stadtgeschichte, als nach Beendigung der Schlacht die Cancellieri-Anhänger sich rächten, indem sie ihre Gegner aus dem danebenstehenden Glockenturm warfen.

Die seltsamen Ortsnamen

In einigen Ecken von Pistoia hallen noch die Echos der Zusammenstöße, unter denen die Stadt litt. Die Geschichte der Straße Can Bianco (weißer Hund) beispielsweise besagt, dass die Familie Cancellieri dort Eigentümer besaß. Die Menschen aus Pistoia erzählen, dass während der Fehden in einer Nacht die Einwohner dieses Viertels von lautem Hundegebell geweckt wurden. Der Hund hatte die Feinde gespürt, die sich der Straße näherten und angreifen wollten. Dank des Hundes konnten die Bewohner rechtzeitig auf die Straße hinaus und somit den Plan der Feinde verhindern.

In der Nähe des Canto de ‚Rossi gibt es eine Straße, die den Namen Abbi Pazienza, wörtlich übersetzt „hab Geduld“; (sinngemäß „tut mir leid, das wollte ich nicht; hab Verständis“) trägt. Es scheint als wäre der Grund dieses Namens eine absurde Bluttat, die in der Zeit der sinnlosen Kämpfe zwischen den beiden Familien passiert ist. Es wird erzählt, dass ein Mann in der Dunkelheit verborgen, auf seinen Gegner wartete, um ihn anzugreifen. Ein ahnungsloser Passant hatte in diesem Moment das Pech, an ihm vorbei zu gehen. Der Mann sprang auf ihn und verletzte ihn tödlich. Als er seinen Fehler erkannte, entschuldigte er sich beim Sterbenden mit einem kurzen: „Abbi pazienza!“ (= hab Verständnis, es war ein Fehler).

Caterina Pomini aus InYourTuscany

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