Pistoia – Die Geschichte der Medizin von einst… – das Anatomische Theater

tetro-anatomico-del-ceppoDas Krankenhaus „del Ceppo“, das im 13. Jahrhundert gegründet wurde, ist sehr schnell zum wichtigsten Gesundheitszentrum der Stadt geworden. Das Gebäude wurde in den Jahrhunderten vielfach erweitert; vor allem im Jahre 1348, zur Zeit der Pestilenz und im 15. Jahrhundert, als man den Flügel mit der Fassade des Renaissance- Laubenganges erbaute, die geschmückt ist mit robbianischen Ornamenten aus verglastem Terracotta. Den Ursprungskern bildet der Krankensaal von Sant‘ Atto mit großen Fenstern und einer Architektur, die einer Kirche ähnelt. In seinem Inneren existierte sogar ein Altar, denn in der Vergangenheit wendeten sich die Kranken an Gott. In einem weiteren ehemaligen alten Krankensaal von San Leopoldo befindet sich die Medizin-Akademie von Pistoia. In der Vergangenheit wurde dieser Krankensaal als Lazarett genutzt, wie man anhand der Laufspuren, die die Ärzte hinterlassen haben, um die infizierten Kranken zu konsultieren, erahnen kann. Oft wurden Medikamente und Speisen aus der Höhe herabgelassen.

Bis zum 16. Jahrhunderts wurden in diesem Krankenhaus Chirugielektionen erteilt. Die chirurgisch-medizinische Schule von Pistoia (die einzige im Großherzogtum) wurde 1666 gegründet, wuchs sehr stark im 17. Jahrhundert, als zusammen mit anderen großherzoglichen, wissenschaftlichen Institutionen – wie beispielsweise „La Specola“ von Florenz – besonders von Pietro Leopoldo di Lorena von zum Gegenstand der Aufmerksamkeit wurde. Die Schule, unterteilt in drei Klassen, dauerte 6 Jahre und wurde von einer begrenzten Studentenanzahl frequentiert, darunter war u.a. auch der berühmte Anatomiepathologe aus Pistoia, Filippo Pacini, der als Erster 1854 den Cholerabazillus, der später von Koch genauer beschrieben wurde, entdeckt wurde.

Die Anatomielektionen wurden im anatomischen Theater abgehalten, eine Rarität des späten neoklassizistischen 18. Jahrhunderts, vollständig mit Fresken ausgestattet, entsprechend dem Geschmack der Epoche mit grotesken Figuren und Medaillons in Pastelltönen: rosa, azurblau und lindgrün; ein starker Kontrast zu der Funktion des Platzes und der verfälschten Luft des Saales, der einen fremden, ja fast zynischen Reiz erweckte…

Die Schule war bis 1844 aktiv, als sie dann wegen geringer Studentenzahlen geschlossen werden musste. Die Medizinakademie, nach Pacini benannt, hat ein reiches Erbe hinterlassen. Der Salon wurde nach dem 2. Weltkrieg mit Einrichtungsgegenständen aus der Pharmazie des Krankenhauses und der Schule ausgestattet und einer bemerkenswerten Anzahl an chirurgischen Gegenständen aus dem 12. und 14. Jahrhundert, die aus der Schule stammen. Das Museum dokumentiert auch die Phantasie der Chirurgen der Epoche, die offensichtlich grenzenlos gewesen sein muss! Zangen, Skalpelle, Kauter, Harnleitersonden aus Silber, Scheren, Sonden, Haken und vieles mehr diente sowohl zur Heilung als auch zu Operationsinstrumenten am menschlichen Körper. In Pistoia gab es florierende Werkstätten, die diese chirurgischen Werkzeuge produzierten und die aufgrund ihrer hohen Qualität in ganz Europa bekannt waren. Der Terminus Skalpell hingegen (Bisturi auf Italienisch) stammt von „Bistorio“, ein typisches, in Pistoia hergestelltes Messer, abgeleitet von „Pistorium“, dem lateinischen Namen der Stadt.

MUSEUM ÖFFNUNGSZEITEN
Von Oktober bis März:
Täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr
Führungen auch in Englischer Sprache: 10.30, 11.30, 12.30, 14.00, 15.00, 16.00, 17.00 Uhr (Dauer etwa 1 Stunde)
Von April bis September:
Jeden Tag von 10.00 bis 07.00 Uhr
Führungen auch in Englischer Sprache: 10.30, 11.30, 12.30, 14.00, 15.00, 16.00, 17.00, 18.00 Uhr (Dauer etwa 1 Stunde)

EINTRITTSKARTEN
Preis: € 9,00

Sonderpreis für Gäste vom Agriturismo I Pitti 4,50 €

Pistoia Underground Museum
Piazza Giovanni XXIII 13 – Pistoia

www.irsapt.it

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